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RSSPrint

Dritte Grabung am ehemaligen Zwangsarbeiterlager am St. Thomas-Friedhof Neukölln

15.08.2018

Bitte merken Sie sich vor: Einladung zum Pressetermin 24. August 2018, 11 Uhr

Berlin, 15. August 2018 – Vom 22. bis 24. August 2018 wird auf dem Friedhof Jerusalem V an der Neuköllner Hermannstraße der dritte Grabungsabschnitt zum Zwangsarbeiterlager der Berliner Kirchengemeinden in der NS-Zeit durchgeführt. Ziel der Grabung ist die Erkundung des Splittergrabens, insbesondere der Lage- und Konstruktionsnachweis. Der Splittergraben sollte den Zwangsarbeitern des kirchlichen Zwangsarbeiterlagers am Grünen Weg/ Netzestraße 1943 bis 1945 als Schutz bei Bombenangriffen dienen. Die Grabung dient der Dokumentation und Kenntnissicherung historischer Bodenfunde in einem Bereich, der derzeit beplant und nach der Grabung überbaut wird. Die Grabung liegt außerhalb der geplanten Gedenkstätte. Der kommende Gedenkstättenausbau wird vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie der Landeskirche und den Berliner Kirchenkreisen finanziert.

Die Grabung ist ein Kooperationsprojekt. Grabungsleiter ist der Archäologe Torsten Dressler (ABD). Beteiligt sind der gemeinnützige Verein S27 – Kunst und Bildung mit seinem örtlichen Integrations- und Nachbarschaftsprojekt Coop Campus, der Verein die Förderung der Gedenkstätte und das Landeskirchliche Archiv in Berlin.


Hintergrund:
Die Grabung befindet sich in unmittelbarer Nähe des bereits 2013/14 dokumentierten Geländes eines ehemaligen kirchlichen Zwangsarbeiterlagers für Friedhofsarbeiter. Dort errichten die Landeskirche und die Evangelische Kirche in Deutschland eine gemeinsame Gedenkstätte. Die Gedenkstätte erinnert an ein Zwangsarbeiterlager für 100 vorwiegend minderjährige Zwangsarbeiter, die aus der Ukraine und Russland nach Berlin deportiert wurden. Das Lager wurde von einer Arbeitsgemeinschaft 39 evangelischer und drei katholischer Kirchengemeinden und des Berliner Stadtsynodalverbandes eingerichtet und zwischen 1943 und 1945 betrieben. Unter menschenunwürdigen Bedingungen wurden Jugendliche und junge Männer zur Schwerstarbeit auf den Friedhöfen der Kirchengemeinden in ganz Berlin eingesetzt. Seit 2000 ist die Geschichte dieses Lagers intensiv erforscht worden und fester Bestandteil der Erinnerungskultur der Kirchen. Die Evangelische Kirche erinnert mit der Gedenkstätte an ihre Duldung und schuldhafte Beteiligung an dem System der NS-Zwangsarbeit und übernimmt einen Teil der historischen Verantwortung für dieses Unrecht.

Derzeit wird in einer Ausstellung auf dem Thomas-Friedhof an der Neuköllner Hermannstraße, durch einen Gedenkstein, eine Hinweistafel und eine Informationstafel auf den Gedenkort hingewiesen. Vom Informationspavillon werden regelmäßig Führungen zum ehemaligen Lagergelände veranstaltet. Dort sind durch Ausgrabungen 2013 und 2014 Bodenfunde freigelegt worden, die leider derzeit durch die Witterung und durch das Betreten des nicht umzäunten Geländes beschädigt werden. Zum geplanten Gedenkstättenausbau gehört vor allem die Sicherung der Befunde, aber auch die Neugestaltung und Zusammenführung der Informationen auf dem ehemaligen Lagergelände.


Bitte merken Sie sich vor:
Einladung zum Pressetermin am 24. August 2018, 11 Uhr
Am 24. August 2018 werden nach Abschluss der Grabung auf dem Friedhof Jerusalem V, Hermann Str. 84-90, Berlin-Neukölln, die Grabungsergebnisse präsentiert werden. Darüber hinaus stehen Ansprechpartner zur Verfügung, die über die Bildungsaktivitäten des Coop Campus der S27 auf dem Friedhof Jerusalem V berichten können.


Menschen aus der Nachbarschaft und andere Interessierte sind eingeladen, sich aktiv an der Grabung beteiligen. Für das Fachteam werden zusätzlich vier Grabungshelfende mit einem aktiven Arbeitseinsatz von etwa vier Stunden und einer Anwesenheitszeit zwischen 8 und 16:30 Uhr täglich gesucht. Die Grabung ist auch als historische Bildungsveranstaltung zu verstehen. Die Teilnehmer erfahren etwas über die Geschichte des Ortes und die Methoden zeithistorischer Archäologie. Am Ende können diejenigen, die über drei Tage helfend tätig waren, darüber ein Zertifikat erhalten.
Kontakt: wolfgang.krogel(at)landeskirchenarchiv-berlin.de



Weiter Informationen gibt Ihnen gerne:
Dr. Wolfgang G. Krogel, Leiter des Evangelischen Landeskirchlichen Archiv in Berlin, Bethaniendamm 29   10997 Berlin, Tel. 030 225045 30 Fax. 030 22504510, wolfgang.krogel(at)landeskirchenarchiv-berlin.de, www.landeskirchenarchivberlin.de