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RSSPrint

Bischof Dröge verurteilt Anschläge in Jamlitz-Lieberose

18.05.2016

Zweiter Anschlag innerhalb einer Woche: Eingangstafel der Dokumentationsstätte gesprengt

Unbekannte haben am Mittwoch, 18. Mai 2016, erneut einen Anschlag auf den Standort des ehemaligen KZ-Außenlagers Jamlitz-Lieberose im Landkreis Dahme-Spreewald verübt. Der Anschlag ist der zweite innerhalb einer Woche. Diesmal wurde die Eingangstafel der Freiluftausstellung des Gedenkortes vollständig zerstört. Die Tafel enthielt grundlegende Informationen über den Holocaust und die Geschichte des ehemaligen KZ-Außenlagers.

Bischof Dr. Markus Dröge: „Ich verurteile die abscheulichen Anschläge auf das Schärfste. Die Landeskirche ermutigt die Evangelische Kirchengemeinde Lieberose und Land, trotz des Angriffes ihre wichtige Arbeit als Trägerin des Dokumentationsortes weiterzuführen und unterstützt sie darin nachdrücklich.“

Pfarrerin Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO): „Der erneute Anschlag hat bei der Evangelischen Kirchengemeinde und bei der Landeskirche Entsetzen und tiefe Abscheu hervorgerufen. Die Tat zeigt eine neue Stufe des Hasses und der Gewalt. Wir lassen uns aber davon in unserer kirchlichen Erinnerungsarbeit nicht beirren oder einschüchtern.“

Gegen 13:10 Uhr hörten Anwohner eine Explosion. Sie benachrichtigen umgehend die Evangelische Kirchengemeinde Lieberose und Land, die Trägerin der Dokumentationsstätte ist. Der zuständige Historiker Dr. Andreas Weigelt, der Mitglied des Gemeindekirchenrates ist und die Freiluftausstellung wissenschaftlich betreut, benachrichtigte die Polizei und fuhr umgehend auf das Gelände. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Bereits am 10. Mai 2016 hatten Unbekannte zwei Informationstafeln der Ausstellung zur Geschichte des nationalsozialistischen Konzentrationslagers mutwillig zerstört. Die Kirchengemeinde hatte Anzeige erstattet.

Im KZ-Außenlager Jamlitz wurden von 1944 bis 1945 Tausende jüdische Häftlinge durch Zwangsarbeit oder Erschießung ermordet. Die Waffen-SS hatte das Lager Ende 1943 als Nebenlager des KZ Sachsenhausen errichtet. Viele Häftlinge des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau kamen zur Arbeit nach Jamlitz, Arbeitsunfähige wurden nach Auschwitz deportiert. Die Häftlinge mussten mit primitivsten Mitteln Kasernen, Straßen und militärische Anlagen für den SS-Truppenübungsplatz „Kurmark“ errichten. Bei der Evakuierung des Lagers vor Kriegsende kamen mehr als 2.000 Häftlinge um.

Nach vorangegangenen Schändungen des benachbarten jüdischen Friedhofs Schenkendöbern in den Jahren 2014 und 2015 ist die Sachbeschädigung die vierte Tat innerhalb von drei Jahren und die zweite innerhalb einer Woche, die sich gegen die Darstellung und das Gedenken der Opfer von Jamlitz richtet.

Informationen:

Pfarrerin Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der EKBO, Georgenkirchstraße 69, 10249 Berlin, Tel. 030 24344-422, Mobil 0172-8957958, m.gardei(at)ekbo.de